Angeschwärzt und amtsbekannt

Glatt gelaufen – so wäre die Trennung von Moritz Reich* und Martina* fast vonstatten gegangen. Bereits vor einem halben Jahr hatte Moritz seiner Lebensgefährtin vorsichtig nahebringen können, dass er die Beziehung beenden will. Beide hatten sich im Guten getrennt, ja mehr noch: Moritz konnte noch ein halbes Jahr im Haus von Martina wohnen und sich Zeit lassen, bis er eine neue Wohnung gefunden hatte.

Dieser Samstag hätte ohnehin der vorletzte Tag in Martinas Haus sein sollen, für Moritz. Einmal noch erledigte er Gartenarbeiten für sie, und abends hatten sie gemeinsam im Garten auf ein letztes Glas angestoßen. Morgen würde Moritz seine letzten Sachen ins Auto laden.

Einmal mehr wiederholte Martina ihr Angebot, Moritz doch beim Übersiedeln zu helfen, oder sogar in der neuen Wohnung zu reinigen. Einmal mehr ist Moritz dadurch in Verlegenheit geraten. Doch jetzt war der Zeitpunkt gekommen, so dachte sich der Mann, es seiner Exfreundin endlich zu erklären, damit sie versteht, warum er ihr Angebot nicht annimmt: Schon seit zwei Monaten ist er mit Sophie* liiert, und sie wartet schon in der Wohnung morgen.

Martina hatte kräftig durchgeschluckt, und doch dachte Moritz: Sie hat es gut hingenommen, gerade sie, bei der er Befürchtungen hatte!

So sehr er seine Ex-Partnerin im Grunde ja immer noch mag, der Grund für die Trennung waren ihre Stimmungsänderungen. Vor allem, wenn sie getrunken hatte, konnte sie aggressiv und unerträglich werden.

Es wird etwa eine Stunde vergangen sein, da schlug Martinas Stimmung wieder plötzlich um. Wütend beschimpfte sie ihren früheren Lebenspartner, sie schrie sich in Rage, und schließlich, so Moritz, schlug sie ihn ins Gesicht: Einmal, zweimal, beim dritten Schlag ins Gesicht konnte sich der Mann endlich fassen, und ebenso bekam er Martinas Hände zu fassen. Langsam drückte er die Tobende zu Boden, «um sich selbst zu schützen», so rechtfertigt sich der Mann sogar noch später.

Leise, langsam sprach er auf sie ein. Sie solle sich doch beruhigen, sie wisse doch selbst, wie leid ihr hinterher ihre Ausbrüche tun… Und so ließ er Martina los.

Schnell war Martina wieder auf den Beinen, riss Ihr Telefon an sich und sperrte sich im Badezimmer sein. Sie telefonierte.

Kurz später standen sie da, die Polizeibeamten. Einmal mehr dürfte die Wegweisung, das Betretungsverbot für Moritz bereits beschlossene Sache gewesen sein. Einmal mehr spielten Sachverhalt und wahre Geschehnisse keine Rolle, wie jenes, dass er morgen ohnehin weg gewesen wäre, dass er auch jetzt schon gehen und dann eben morgen seine Sachen ins Auto laden könnte, ganz ohne Amtshandlung der Polizisten.

Moritz wär er eine Wegweisung allein fast schon egal gewesen, er wollte ja ohnehin nicht mehr zu Martina. Es ist die Stigmatisierung als Gewalttäter, die er hier vermeiden wollte: Der Umstand, dass er fortan zu erklären hätte, warum «die Polizei ihn wegweisen musste», so als ob er rasend, tobend und gemeingefährlich gewesen wäre, ja und das mittlerweile fast schon obligatorische Waffenverbot, das oben draufgepackt wird: Als ob Moritz sich gleich bei der nächsten Gelegenheit zum Amoklauf rüsten würde.

«Ich bin nun als Täter gebrandmarkt, obwohl ich mich nur verteidigt habe, und muss zudem noch eine Beratung beim Verein Neustart zur Gewaltprävention in Graz besuchen. Da müsste meine ehemalige Lebensgefährtin hin, aber nicht ich!» So beschreibt Moritz die Lage und die Vorverurteilung, welche dieses Gewaltschutzsystem ihm beschert hat.

Ein Freund hält zu beiden Kontakt und vermittelt. So erfährt Moritz, dass Martina mittlerweile bedauert, ihnen beschuldigt und wegweisen lassen zu haben. Doch jetzt kann sie nichts mehr unternehmen. Im »Gewaltschutz» ist es gar nicht möglich, Aussagen zurückzunehmen und zu korrigieren. Der Betroffene kann nicht «freigesprochen» werden. Er wurde schließlich nie verurteilt. Er wurde als «Gefährder» gebrandmarkt, abseits jedes ordentlichen Verfahrens, innerhalb weniger Minuten an einem Abend im heurigen April.

Martina wollte wohl den Polizeieinsatz in der Hitze dieses Streits wie ein fortgesetztes Mittel zur Austragung des Konflikts nutzen. Doch offenbar wird Martina jetzt erst bewusst, wie weittragend die Konsequenzen für einen Mann sind, sobald die Polizei nur einmal gerufen worden ist. Selbst die Frau, welche die Polizei gerufen hat, kann diese Folgen nicht mehr abwenden oder abmildern. Der «Gewaltschutz» lässt es nicht zu, dass er in Frage gestellt wird.

Nur die Männerservice-Reports zeigen Ihnen, was tatsächlich oft hinter den dichten Kulissen des Gewaltschutzsystems stecken kann.


Männerservice-Report #382, veröffentlicht am 17. Oktober 2023

Betroffene
Moritz Reich*

In der Verantwortung
Martina Wild*, Ex-Partnerin von Moritz
Steirische Polizeibeamte
Österreichisches Gewaltschutzsystem

Ort und Zeitraum:
Steiermark, April 2023

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