Schamgefühl

Immer wieder sieht sich Edith Palfinger* auf Seiten um, welche an sich für Väter geschrieben wurden, welche sich der Sorgen und Nöte von Männern annehmen, die von ihren Kindern entfremdet werden. Als sie die Männerservice-Reports durchstöbert, so meint sie, habe sie der Bericht „Kindesentfremdung hat kein Geschlecht“ ermutigt. Sie fasst sich ein Herz und schreibt.

Vor 9 Jahren hat sie sich von ihrem Mann Jan* getrennt. „Ja nur nicht streiten“, hatte ihr die eigene Familie eingeschärft, und ihre Schuldgefühle damit verstärkt. So hatte sie sich auf eine einvernehmliche Scheidung eingelassen, welche wir als schmutziger als eine strittige Scheidung bezeichnen wollen, denn richtig schmutzig wird eine schlechte Einvernehmliche Scheidung erst danach. Jans Anwältin hatte sich zugleich als Mediatorin verkauft, und Edith hat sich von der Vertretung ihres Gegners eine vorgeblich „objektive, faire“ Lösung unterjubeln lassen. Das Kontaktrecht war so schlecht geregelt, dass es ein Paradebeispiel unserer Warnungen hätte sein können. So konnte Jan scheibchenweise den Kontakt der Kinder mit der Mutter sabotieren, wie es sonst vielen Vätern an Ediths Stelle geschieht.

Den häufigsten Fehler stellen wir auch in diesem Fall fest: Edith hatte sich hinhalten lassen. Zuerst von Jan, später vom „Jugendamt“. Das Warten auf bessere Zeiten hatte zur Folge, dass der Kontaktabbruch endgültig wurde. Während sich der entfremdete Elternteil in sinnlosem Dialogversuch abmüht, bläut der andere, in diesem Fall der Vater, den Kindern ein, die Mutter interessiere sich nicht für sie.

Die schmerzlichsten Zeiten sind die Feiertage, vor allem die Tage der Familienfeste, und die Geburtstage der Kinder. Edith wirft Geburtstagskarten in den Briefkasten und hofft still, dass die Kinder sie erhalten, überweist Taschengeld an die Kinder und erhält keinen Dank.

So sehr es unbegründet sein mag: Edith meint, dass sie „als Mutter ein großes Schamgefühl empfindet, keinen Kontakt zu meinen Kindern haben zu können.“

Es darf den betroffenen Vätern ein schwacher Trost sein, wenn wir uns in eine Mutter versetzen, deren Kinder entfremdet wurden, denn Edith erkennt sehr treffend:

«Bei Männern gehen die Mitmenschen vorurteilsloser an das Thema heran. Man kennt tausende Beispiele, oft schon aus dem Bekanntenkreis, wo Frauen den Männern den Kontakt zu ihren Kindern erschweren oder unterbinden.

Im umgekehrten Fall wird etwas Schlimmes vermutet, sonst hätte die Mutter doch ihre Kinder bei sich…»

Tatsächlich: Es ist diese Banalität des Unrechts, das zumeist Männer trifft, die schon ein kleiner Trost für Väter sein kann, deren eigene Kinder gegen sie aufgehetzt wurden. Selbst dieser Trost bleibt Müttern wie Edith versagt, welche Opfer eines Unrechts geworden sind, das an sich, so nennen es wir, „männerspezifisch“ geschaffen sein mag, doch manchmal Mütter ebenso treffen kann, seltener, sicherlich, doch genau so hart und gnadenlos.


Männerservice-Report #282, veröffentlicht am 26. November 2021

Betroffene
Mutter: Edith Palfinger*
Kinder:  Samuel*, 19 Jahre, und Lukas*, 16 Jahre
mütterliche Verwandte

In der Verantwortung
Jan Palfinger*, Vater der Kinder
österreichisches Familienrecht

Ort und Zeitraum:
Kärnten, seit 2012 bis jetzt

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