Sogar auf Kosten der Gesundheit

“Ich lege mich vor das Justizministerium!” Soll doch die Justizministerin jeden Tag über Tamara Jaspers* hinweg ihren Weg in Ihr Amt antreten, soll sie doch dieser Mutter ins Gesicht sehen Tag für Tag  – der Mutter, die vom Bezirksgericht Wien Floridsdorf gepfändet wurde, derart gnadenlos, dass nicht einmal auf ihre Gesundheit Rücksicht genommen wurde.

Wir hatten vor drei Jahren bereits von Tamara berichtet. Damals war der jahrelange Unterhaltsstreit bis zur Pfändung eskaliert. Den durch den Vater aufgehetzten Kindern selbst war es nicht zu peinlich, die eigene Mutter unter das Existenzminimum zu pfänden.

So sind dieser Frau in den meisten Monaten nur knapp über 700 Euro zur eigenen Verfügung gelassen worden.

Währenddessen studiert Sohn Thomas*, wie so viele Kinder, die ihre Eltern auf Unterhalt klagen, vor sich hin, und dieser Ausdruck trifft es: Der Studienerfolg ist derart schlecht, dass er die notwendigen ECTS-Punkte deutlich unterschreitet, die ihn weiter zum Unterhalt berechtigten würden. Sein Versuch zu studieren ist einfach sinnlos. Doch Thomas arbeitet nicht und nimmt seine Mutter aus.

Tamara sieht jetzt eine Chance, wieder ein menschenwürdiges Leben zu erlangen: Sie beantragt die Einstellung des Unterhalts – und sie hat recht, in der Sache. Doch das Bezirksgericht Wien-Floridsdorf unternimmt, was ein Gericht meisten geschehen lässt, wenn sich ein Unterhaltspflichtiger von seiner existenzbedrohenden Last befreien will: Erst einmal gar nichts. Es sitzt den Antrag für einige Monate aus.

In dieser Zeit spurt Thomas plötzlich, bis er die nötigen Punkte irgendwie zusammenbekommt. Das Gericht hat den Antrag erfolgreich ausgesessen, und Tamara wird wieder gepfändet.

Daher kann sich Tamara das Notwendigste für ihr Leben nicht mehr leisten, nicht einmal die Heizkosten im Winter. Eines Tages steht ein Sack Pellets vor ihrer Tür. Freunde haben diesen für sie  abgestellt, wortlos, um sie nicht zu beschämen. Es folgen noch weitere Säcke, welche Tamara durch den Winter bringen.

Doch um Tamaras Gesundheit können sich die besten Freunde auch nicht mehr kümmern. Sie braucht Medikamente, Ärzte und Behandlungen, mit ihrer zunehmend kaputten Wirbelsäule, mit ihren Gelenkserkrankungen, und ihre Zähne sollte sich der Zahnarzt auch ansehen.

Tamaras Krankenversicherung setzt einen Selbstbehalt voraus. Die gepfändete Mutter kann sich jedoch die 10%, und schon gar nicht die 20% für den Zahnarzt leisten.

Jetzt, endlich, hat Thomas sein Studium aufgegeben, natürlich ohne Abschluss. Auch, wenn jetzt keine zusätzlichen Unterhaltsschulden mehr hinzukommen: Die Pfändung seiner Mutter ist immer noch offen, der langersehnte Tag, an dem der Unterhaltsterror endet, immer noch in weiter Ferne.

Sicher ist jedoch jetzt schon: Die Schäden bleiben. Tamara ist de facto behindert, durch ihre Schäden an der Wirbelsäule. Ihre Zähne sind eine Ruine, ihre Gelenke schmerzen.

Wir wünschen der Justizministerin, dass sie tatsächlich täglich nur über die Opfer ihres Unterhaltsrechts hinweg ins Ministerium kommt, so, wie Österreichs Politik Tag für Tag über die Opfer ihres Familienrechts hinweggeht.


Männerservice-Report #201, veröffentlicht am 5. Mai 2020

Betroffene
Mutter: Tamara Jaspers *

In der Verantwortung
Kinder: Thomas* und Alina* Jaspers, volljährig
Jan Jaspers*, Vater der Kinder
Bezirksgericht Wien Floridsdorf

Ort und Zeitraum:
Niederösterreich, Wien, 2017 bis 2019

Report von 2017: http://www.maennerservice.at/report/jetzt-schlachten-wir-die-mama-aus/

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