Familienbonus: Ungern auch für Väter

«Sie will den ganzen Familienbonus kassieren», so zeigt sich Hubert Reiter über die Mutter seiner Kinder enttäuscht. Die Anfragen zum Familienbonus häufen sich naturgemäß gegen Ende 2018. Wir erklären Hubert gerne die Zusammenhänge.

Der Familienbonus: In der Wahl 2017 hat Sebastian Kurz diesen Preis allen im Gegenzug für ihre Stimme versprochen, die er unter dem Begriff «Familie» gemeint hat. Kurz nach diesem Versprechen ist dem Lieblingsschwiegersohn der Nation jedoch siedend heiß eingefallen: Moment, Väter hat er nicht gemeint damit! Daher wollte er ursprünglich sein Wahlversprechen ändern und hat allen Müttern Österreichs medial versichert: Keine Sorge, die Väter bekommen diesen Familienbonus natürlich nicht. Schon damals hätten Österreichs Väter erkennen können, was dieser Kanzler unter Familie versteht, nämlich dasselbe wie alle uns bekannten Politiker in diesem Land: Die Mutter, ja, und ihr jeweiliges Gefolge eben…

Und doch: Ganz lässt sich der Familienbonus für Väter nicht vermeiden, wohl zum Leidwesen dieser Politiker. Daher besteht für Väter die Möglichkeit, ab 2019 den Bonus zur Hälfte zu beantragen. Das klingt schön, aber vergessen Sie nicht: Ein Teil des Bonus kann ihnen erst recht wieder über die Hintertür genommen werden, der andere Teil kompensiert bloß den weggefallenen Kinderfreibetrag, und beachten Sie die Steine, welche Vätern zur Erlangung dieses Bonus in den Weg gelegt werden.

Damit der Vater die Hälfte des Familienbonus zugesprochen bekommt, hat er monatliche Auflagen zu erfüllen, und er sollte früh genug handeln. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Mutter den vollen Familienbonus sichern will, und bis jetzt gibt es noch keinen Fall, anhand dessen klar ist, was geschieht, wenn sich eine Mutter zu Unrecht den vollen Familienbonus sichert.

Würde der Vater den halben Bonus rückerstattet bekommen? Von wem? Vom Staat vermutlich nicht, und für Mütter gilt manchmal die, nennen wir sie «Geldvermutung»: Wenn sie widerrechtlich zu viel kassiert, braucht sie es nicht mehr zurückzahlen. Egal, was sie mit dem Geld gemacht hat, wir sind verpflichtet, anzunehmen, dass sie das Geld bereits «in gutem Glauben verbraucht» hat.

Daher empfehlen wir Hubert, wie allen Vätern Österreichs:

Wenn Sie Dienstnehmer sind, beantragen Sie die Berücksichtigung des Familienbonus sofort beim Dienstgeber. Durch die monatlichen Auszahlungen sparen Sie sich eventuelle Streitigkeiten bei der späteren Arbeitnehmerveranlagung.

Sind Sie Einkommenssteuerpflichtig oder Grenzgänger, empfiehlt sich nach heutigem Wissensstand der Antrag auf eine Herabsetzung der Lohnsteuervorauszahlungen beim Finanzamt. Damit haben Sie Ihren Anspruch auf den halben Familienbonus klargestellt.

Wieder einmal wird durch die unklare rechtliche Lage jedoch erst nach einigen Präzedenzfällen, also richtungsweisenden Urteilen, welche irgendwann 2020 Stück für Stück gefällt werden, klar, was wirklich in verschiedenen strittigen Situationen geschieht.

Wieder bereitet eine mutlose, unklare Regelung den Boden für unnötige Streitigkeiten in Österreich. Egal, welche Regierung im Amt ist, jede scheint das Talent für schlechte Gesetze und Verordnungen zu haben. Klarheit schaffen Ämter und Gerichte erst im hinterher, und gerade sie können dann ihre Freiräume willkürlich nutzen und Unrecht schaffen, das sich den Augen der Bevölkerung entzieht, wie betroffene Väter schließlich massenhaft feststellen.

Der Männerservice wird am Beispiel Hubert Reiters und vieler anderer Väter genau beobachten, wie sich die Aufteilung des Familienbonus zwischen den Eltern entwickelt, und auf gewohnte Weise Lösungsmöglichkeiten aus der bewährten Praxis sammeln und vermitteln.


Männerservice-Report #136, veröffentlicht am 29. Januar 2019

Betroffene
hunderttausende Väter, hier am Beispiel Hubert Reiter*:

In der Verantwortung
Sebastian Kurz, österreichischer Mütterkanzler und Väterskeptiker
österreichische Bundesregierung

Ort und Zeitraum:
Österreich, ab 2019

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Ein Kommentar

  1. Meinem Sohn wurde am Finanzamt gesagt daser lieber erst am Jahresende diesen Familienbonus beantragen soll.
    War das schon so eine „Legerpartie“?