Der «serbische Stolz» also…

Seit Jahren bemüht sich Dragan Cilic* darum, dass seiner Tochter Valentina* gute Bildung zukommt. Die Beziehung der Tochter zu ihrem Vater und der Familie, die er mit seiner Frau Tina* gegründet hat, ist ausgezeichnet. Das streitet sogar Valentinas Mutter, Selina*, nicht ab.

Dass jedoch der Vater auch nur die geringste Ahnung haben sollte, was gut für das Kind ist: Nur die Idee alleine bekämpfen viele Trennungsmütter auf das Heftigste, so auch Selina.

Eine seitenlange Stellungnahme der Wiener Familiengerichtshilfe zeigt ein Bild, das viele Psychologen und Erziehungswissenschafter, im Positiven, über die Unterschiede väterlicher und mütterlicher Eigenschaften zeichnen:

Selina will ihre Tochter davor beschützen, dass sie überfordert wird, will ihr ein Scheitern ersparen. Sie will für ihre Tochter eine Schule, welche ihr keinesfalls zu viel zumutet. Daher setzte sie Valentina in eine besondere Schule. Das sei notwendig, weil Valentina eine Wahrnehmungsstörung habe.

Dragan will, wie so viele Väter, dass sein Kind gefordert wird, damit es sich weiterentwickelt. Er traut seiner Tochter weitaus mehr zu, als ihr die jetzige Schule, so schonend und behutsam diese auch sein mag, abverlangt.

Wir denken: Es ist gut und richtig, dass ein Elternteil, meistens der Vater, sein Kinder fordern und damit fördern will. Der andere Elternteil soll ausgleichend wirken. Somit fände sich stets eine gute Balance für das Kind.

Doch in Österreichs Familienrecht ist das zumeist eine Illusion. Der Vater wird von der Mitentscheidung ausgeschlossen, sein für das Kind wertvoller Beitrag darf von einer Mutter abgeschmettert werden, wenn diese meint, als Einzige zu wissen, was gut für das Kind sei.

Dragan gibt jedoch nicht auf, für seine Tochter und deren Zukunft. Daher will Selina ihm jetzt die Gemeinsame Obsorge wegnehmen. Die hat zwar bisher ohnehin das Wort «gemeinsam» nicht verdient, doch Selina will ganz sicher gehen, dass der Vater keine Mitsprache hat.

So kommt es zu den üblichen Erhebungen der Familiengerichtshilfe, und in den seitenlangen Ausführungen dazu dürfen wir lesen, was Dragan und Selina über Wohl und Zukunft Valentinas denken und sagen.

Während wir keinen einzigen Vorwurf von Dragan in Richtung Selina lesen, sondern immer nur darüber, was für Valentina seiner Einschätzung nach gut sei, liest sich Selinas Darlegung ganz anders:

Unter dem ständigen Wegschieben jedes Arguments, das sie von Dragan kennt, folgen die leider üblichen Vorwürfe und Untergriffe, die so vielen Vätern leidlich bekannt sind. Einen davon greifen wir heraus:

Selina vermute, Dragan würde aus seinem «serbischen Stolz» wollen, dass Valentina eine Schule besucht, welche sie stärker fordert.

Nun: Es mag ja sein, dass Dragans Eltern aus Serbien stammen. Dass ein gebürtiger Österreicher derart plump vor der Gerichtshilfe dieses Landes abgewertet und letztlich rassistisch beleidigt werden darf, das ist hierzulande offenbar nur Müttern erlaubt.

Dieser Vater, der so gar keine Ahnung von Valentinas Fähigkeiten haben soll, hatte seine Tochter vor einiger Zeit ein halbes Jahr bei sich betreut. In dieser Zeit sind ihre Lernerfolge rasch besser geworden, versichert Dragan. Es würde uns nicht überraschen, wenn in Selina diese Fortschritte sogar Angst ausgelöst hätten –  Angst, ihr «Rivale», den sie ihm Kindesvater sieht, könnte besser für das Kind sorgen als sie.

So darf einmal mehr eine Mutter einen Vater herabwürdigen und die altbekannte Floskel vom «männlichen Gockelstolz», der ach so verletzt sei, strapazieren. Ja, Vorurteile, selbst Rassismus funktionieren in Österreich prächtig, wenn sie eine Mutter benutzen will.


Männerservice-Report #154, veröffentlicht am 4. Juni 2019

Betroffene
Vater: Dragan Cilic*
Tochter Valentina*, 12 Jahre
Tina*, Dragans Ehefrau

In der Verantwortung
Selina*, Mutter von Valentina
Familiengerichtshilfe Wien
Bezirksgericht Wien-Fünfhaus

Ort und Zeitraum:
Wien Fünfhaus, Februar 2019

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